Seegurken - Aquakultur vor Sansibar

Nuri Max Steinmann

Student im internationalen Erasmus Mundus Masterprogramm „Marine Biodiversity and Conservation“ (EMBC+).
Universität der Algarve, Portugal und GMIT in Galway, Irland

www.embcplus.org.

in Verbindung mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT), Bremen

www.leibniz-zmt.de

Die Fragestellung in diesem Forschungsprojekt hat einen populationsbiologischen Hintergrund. Wie in vielen anderen tropischen Regionen ist die Überfischung der Seegurkenart Holothuria scabra auch in Sansibar ein großes Problem. Da diese Seegurkenart einen sehr hohen ökologischen und ökonomischen Wert für die lokale Bevölkerung hat, gibt es im Moment Bestrebungen, die Seegurken durch Aquakulturprogramme zu züchten. Das Vorhaben ist Teil des Projekts „Development of the Mariculture Sector in Zanzibar“ und wird von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gefördert. Ziel ist es, durch die kommerzielle Zucht den Druck auf die wilden Populationen zu reduzieren und der lokalen Bevölkerung Sansibars eine zusätzliche Lebensgrundlage zu ermöglichen.

Foto: Leyla Knittweis, ZMT

In Sansibar ist eine kommerzielle Zucht der Seegurkenart vorgesehen, bei der die in Gefangenschaft gezüchteten Seegurken nach einer bestimmten Zeit zurück in das Meer gesetzt werden, um dort die marktgerechte Größe zu erreichen oder um Wildbestände wieder aufzustocken.  Das Problem bei dieser Methode ist, dass sich gezüchtete Seegurken mit wilden Artgenossen fortpflanzen könnten, da Seegurken ihre Geschlechtsprodukte direkt in das Meerwasser abgeben. In Gefangenschaft gezüchtete Seegurken zeigen nach einer gewissen Zeit jedoch eine verminderte genetische Diversität, da es zu einer Art Inzucht kommen kann. Eine Vermischung von gezüchteten und wilden Seegurken würde daher einen negativen Einfluß auf die genetische Diversität und somit auf die Widerstandsfähigkeit der wilden Populationen haben. Um dies zu verhindern, ist es wichtig zu wissen, welches genetische Profil die aus der Wildnis entnommenen Elternpopulationen der Zuchtstation haben und welches die der wilden Populationen. Es ist daher unbedingt notwendig, die Populationsstruktur der lokalen Seegurkenbestände zu verstehen, insbesondere in den Regionen, wo gezüchtete Seegurken wieder ausgesetzt werden sollen. Das Risiko der genetischen Verarmung durch solche Zucht- und Wiederaufstockungsvorhaben wird leider viel zu oft ignoriert oder vergessen und bedroht somit die Nachhaltigkeit dieser Projekte.

Bislang gibt es noch keine Studie über die Populationsstruktur der Holothuria scabra auf Sansibar. In Zusammenarbeit mit der FAO, der State University of Zanzibar (SUZA), dem Institut für Meereswissenschaften der University of Dar es Salaam, Tansania (IMS) und dem ZMT Bremen will Nuri Max Steinmann die Populationsstruktur wilder Bestände in den relevanten Regionen untersuchen.

Die KELLNER & STOLL - STIFTUNG hält seinen Ansatz für sehr wichtig und fördert deshalb den Forschungsaufenthalt mit 1.000 Euro.