Conference of Marine Bioinvasions

Jonas Letschert, M.Sc.

Absolvent des Masterstudiengangs "ISATEC" an der Universität Bremen und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenfoschrung, ZMT

https://www.uni-bremen.de/isatec.html

Titel der Masterarbeit:

"The Effect of Tourism on Benthic Introduced Species in the Galapagos Marine Reserve"

nominiert für den CAMPUS PREIS 2017/18

Die Ergebnisse der Masterarbeit zeigen, dass mariner Tourismus am Meeresboden lebende, in der Fachsprache benthische Gemeinschaften verändert. Unter anderem sind mehr exotische Arten in touristischen im Vergleich zu geschützten Zonen nachweisbar. Ein Hauptgrund liegt in dem regelmäßigen Bootsverkehr, durch den immer wieder neue, fremde Arten eingetragen werden. Vor allem benthische Organismen wie Muscheln, Seepocken, Algen und viele weitere heften sich an Bootsrümpfe an und reisen so als blinde Passagiere. Zusätzlich werden die einheimischen Lebensgemeinschaften durch intensiven Tourismus vermehrt gestört, was zu einer niedrigeren Resistenz gegenüber exotischen Arten führt.

Diese Erkenntnisse aus seinem Masterstudium hat Jonas Letschert anschließend weiter ausgearbeitet und aufgrund von Schiffsbewegungsdaten im Galapagos Naturpark ein Konnektivitätsmodell entwickelt, das Aufschluss über die Verbreitung mariner exotischer Arten gibt. Dieser Ansatz ist neu.

Diese Informationen sind für den Galapagos Nationalpark interessant, weil sie Hinweise für neue, effektivere Managementregeln liefern. So könnte die Ausbreitung exotischer Arten eingedämmt werden. Das  Konzept ist grundsätzlich auch für andere Meeresschutzgebiete von Nutzen. Die Ergebnisse werden außerdem dabei behilflich sein, Ökotourismus in Galapagos weiter zu betreiben und gleichzeitig das Risiko für eingeführte Arten in touristischen Zonen zu minimieren.

Auf dieser weltweit größten und wichtigsten Konferenz für marine exotische Arten wird Jonas Letschert seine Erkenntnisse einem internationalen Fachpublikum präsentieren.

Angedockt an Schiffe können die exotischen Arten reisen. Normalerweise würden sie sich nicht mehr als 20 - 100 Meter verbreiten. Sie können zu Biodiversitätsverlusten beitragen, so dass man in diesen Fällen von invasiven Arten spricht.

Jonas Letschert hat sich zum Ziel gesetzt, die lokale Ausbreitung von exotischen Arten einzudämmen. Dies kann gelingen, wenn der Bootsverkehr stärker reguliert wird und somit das Risiko einer sekundären Ausbreitung sinkt. Ein einfaches Beispiel dieser Anwendung wäre, die Anlaufstelle der vom Festland kommenden Frachtschiffe und Öltanker räumlich von den Anlaufstellen der kleineren Boote, welche innerhalb des Archipels vorrangig wegen der Touristen operieren, zu trennen. Schon eine Distanz von einigen hundert Metern könnte ausreichen, um das Risiko einer Übertragung, mit relativ wenig Aufwand, zu minimieren.

Mit den Ergebnissen des Konnektivitätsmodells lässt sich das Risiko einer Ausbreitung exotischer Arten für jede Schiffsanlaufstelle berechnen. Dabei ist die Betrachtung des realen Risikos als auch die Berechnung von Szenarien mit verändertem Schiffsverkehr möglich. Dies ermöglicht den Schiffsverkehr innerhalb des Galapagos Nationalparks so zu planen, dass ein minimales Risiko für die sekundäre Verbreitung besteht.  

Die KELLNER & STOLL-STIFTUNG, die bereits die Forschung auf den Galapagos für die Masterarbeit gefördert hat, hält die Präsentation der erweiterten Ergebnisse vor einem einflussreichen Publikum für so vielversprechend, dass sie die Teilnahme an der Konferenz in Argentinien mit 595 Euro fördert.