Kleingewässer in Bremen

Prof. Dr. Marko Rohlfs

AG Populations- und Evolutionsbiologie

Fachbereich 2 (Biologie/Chemie) der Universität Bremen

https://www.uni-bremen.de/de/popecol/

Es geht um Kleingewässer in urbanen Räumen, konkret um Kleingewässer in Bremen.

Was macht deren Biodiversität aus, und gibt es Steuerungsgrößen, die man identifizieren kann, um z.B. die Artenvielfalt zu verbessern?

Kleingewässer - Tümpel, Teiche (auch in den Gärten!) und Gräben - sind ein besonderer Lebensraum für eine große Vielfalt von Insekten. Der massive Rückgang dieser speziellen Lebensräume führt jedoch dazu, dass eine Vielzahl von Organismen, die an diese Gewässer angepasst sind, mehr und mehr die Roten Listen der bedrohten Arten füllen. Da Kleingewässer eine oftmals ergiebige Fortpflanzungsstätte von Insekten sind, erfüllten diese Habitate zudem eine wichtige Funktion als Jagdgründe für Vögel, Fledermäuse und Amphibien.

Davon soll es in Zukunft wieder mehr in Bremen geben


Schilfkäfer kommen typischerweise an Kleingewässern vor.


Die Gelbe Schwertlilie bietet Lebensraum für ganz spezielle Insekten und Käfer wie dem Schwertlilienrüsselkäfer ganz oben in diesem Artikel.

Das geplante Vorhaben hat zum Ziel, Faktoren zu identifizieren, die mit der Vielfalt wasserlebender Insekten in solchen Kleingewässern im Zusammenhang stehen. Untersuchungsgegenstand sind Kleingewässer, die primär zu Zwecken der Oberflächenwasserklärung angelegt wurden. Hierzu werden zunächst im Bremer Stadtgebiet bis zu 60 Niederschlagsklärbecken (NKBs) beprobt, welche von der Firma hanseWasser unterhalten werden. Im Rahmen von zwei Masterarbeiten  werden unterschiedliche aquatische Insektengruppen hinsichtlich ihrer Vielfalt und Häufigkeit erfasst. Während Informationen bzgl. Größe und Alter der NKBs als mögliche Erklärungsvariablen für die Variation in der Insektendiversität vorliegen, müssen andere Parameter neu erfasst werden. Neben der Charakterisierung der Landschaftsmatrix im Umkreis von bis zu 500 m um die Anlagen herum, welche mittels freiverfügbarer Satellitenaufnahmen vollzogen wird, soll der aktuelle Zustand der unmittelbaren Umgebung der Gewässer bzgl. Vegetation, Beschattung, Versiegelung erfasst werden. Um dies exakt mittels bildbasierter Analysemethoden zu erreichen, soll durch den Einsatz einer kameratragenden Drohne der Ist-Zustand der jeweiligen NKBs ermittelt werden. Durch multivariate statistische Verfahren werden dann solche Faktoren identifiziert, die in einem positiven Zusammenhang mit der Artenvielfalt wasserlebender Insekten stehen. Hierbei wird die Hypothese untersucht, dass es Eigenschaften der Gewässer bzw. der Landschaftsmatrix gibt, die Vorhersagen bzgl. der zu erwartenden Insektenvielfalt im Gewässerkörper erlauben. Basierend auf dieser Analyse werden dann konkrete Managementmaßnahmen mit der Firma hanseWasser erarbeitet, die zum Ziel haben, die Artenvielfalt wasserlebender Insekten positiv zu beeinflussen. Langfristig angelegte Folgestudien werden die Wirksamkeit dieser Maßnahmen überprüfen und zeigen, welchen Beitrag technische Gewässeranlagen wie NKBs als 'Ersatz' für schwindende Kleingewässer leisten und wie sie den damit verbundenen Diversitätsverlust einer hochfunktionalen Insektenwelt in einer urbanen Landschaft kompensieren können.

Die Stiftung hält dieses bremische Projekt für besonders vielversprechend und ermöglicht die Anschaffung der benötigten Drohne und des erforderlichen Zubehörs mit 1.500 €uro.