Kohlenstoffflüsse in Mangrovenwäldern auf Bonaire

Florian Senger

Student im Masterstudiengang Marine Geowissenschaften (Fachbereichs 5) der Universität Bremen

https://www.geo.uni-bremen.de

Auf der Suche nach dem "missing link"

Mangrovenwälder nehmen eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf in subtropischen und tropischen Küstengebieten ein. Aufgrund ihres komplexen Wurzelsystems sind sie sehr effizient im Einfangen von suspendiertem Material und damit organischem Kohlenstoff (OC). Dieses Partikelfangsystem führt zur Bindung von Kohlenstoff, der aus dem Laub der Mangroven, aber auch von Flüssen, durch submarinen Grundwasserabfluss oder Seegraswiesen eingetragen wird. Diese Kohlenstoffsenken vergraben schätzungsweise bis zu fünfzigmal effizienter Kohlenstoff als tropische Regenwälder und spielen damit eine entscheidende Rolle als Kohlenstoffsenken und folglich auch im Kampf gegen den Klimawandel.

Mangrovenwälder haben auch eine wichtige Funktion, um anliegende Ökosysteme wie z.B. Korallenriffe und Seegraswiesen mit Nährstoffen zu versorgen. Hierfür wird ein Teil des organischen Kohlenstoffs im Sediment mineralisiert und als gelöster organischer (DOC) und gelöster inorganischer Kohlenstoff (DIC) in anliegenden Küstengewässern abgelagert. Dadurch können Mangroven der Versauerung von Küstengewässern vorbeugen oder Muscheln und andere marine Weichtiere mit DIC versorgen, damit diese Karbonat für ihre Schalen herstellen können. Vor allem die Rolle von DIC wurde bisher weitgehend unterschätzt und benötigt weitere Forschung. DIC könnte der "missing link" im Kohlenstoffbudget der Mangrovenwälder sein.

Dieser Verbindung will Florian Senger für seine Masterarbeit in der Lagune Lac Bay auf Bonaire, Niederländische Antillen, nachgehen.

Obwohl die herausragende Rolle, welche Mangroven im Kohlenstoffkreislauf an der Schnittstelle von Land zur Küste einnehmen, bekannt ist, bestehen immer noch viele Unklarheiten. Es gibt kaum Forschung über den inorganisch gelösten  Kohlenstoff, der aus Mangrovendetritus mineralisiert und in Küstensystemen transportiert wird. Auch ist noch nicht wirklich geklärt, wie eine Reduzierung der Mangrovenwälder die biogeochemischen Stoffkreisläufe in Küstensystemen verändert.

Wir benötigen mehr Informationen über die Auswirkungen durch die Reduzierung der Mangrovenwälder und darüber, welche Veränderungen dieser Verlust für Umwelt und Klima nach sich zieht. Lac Bay bietet dabei einen optimalen Standort, um die in dieser Vollständigkeit noch nicht vorhandenen Kohlenstoffmessungen in intakten und absterbenden Mangrovenwäldern zu vergleichen.

Die Stiftung hält diese noch stark im Bereich der Grundlagenforschung befindlichen Untersuchungen für wichtig, um die Mangrovenwälder im Zusammenspiel mit den Küstenökosystemen besser zu verstehen. Sie fördert deshalb den Aufenthalt von Florian Senger mit 1.250 Euro.