Nachhaltige Teichaquakultur auf Lombok, Indonesien

Paula Senff, M.Sc.

Absolventin des Masterstudiengangs "ISATEC" an der Universität Bremen und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, ZMT

https://www.uni-bremen.de/isatec.html

derzeit Doktorandin am ZMT und der Universität Bremen (im Bild ganz rechts)

Für ihrer Masterarbeit hat Paula Senff in Indonesien analysiert, wie die Fischteiche der Dörfer für die Aquakultur genutzt werden. In einem Workshop will sie nun die Ergebnisse den Anwohnenden präsentieren und mit ihnen besprechen, wie die Teichaquakultur nachhaltig ausgebaut werden kann.

Die Anlage Lomok mit 250 Fischteichen stellt ein interessantes Beispiel für die kommunale Nutzung natürlicher Ressourcen dar. Allerdings geschieht dies weder effizient noch nachhaltig:

  • Die Instandhaltung der gemeinschaftlich genutzten Infrastruktur ist nicht organisiert. So verfallen die Kanäle und es gelangt nicht ausreichend Meerwasser in die Teiche, um die Wasserqualität konstant zu halten.
  • Durch die Konstruktion der Fischteiche wurde ein Großteil des Mangrovenökosystems zerstört.
  • Starke Schwankungen in der Temperatur und dem Salzgehalt der Teiche sind wahrscheinlich der Hauptgrund dafür, dass der Ertrag aus den Teichen gering ist und keine lukrativen Arten wie Shrimps oder Seegurken kultiviert werden. So verschwindet nach und nach das Interesse, die Teiche zu bewirtschaften.
  • Eine steigende Anzahl der Dorfbewohnenden schürft stattdessen illegal Gold als zusätzliche Einnahmequelle und trägt damit meist unwissentlich dazu bei, dass es zu Quecksilberkontaminationen kommen kann.

Aber es gibt nachhaltigere Möglichkeiten, das Gebiet zu nutzen. Bei der so genannten Silvofishery bleibt eine gewisse Dichte an Bäumen bestehen, zwischen denen die Teiche extensiv bewirtschaftet werden, damit die natürliche Artenvielfalt der Mangroven erhalten bleibt oder restauriert wird. Auch können so weitere Arten wie Mangrovenkrebsen kultiviert werden, die auch für den Export von Interesse sind. Die Rahmenbedingungen für eine solche Umstellung sind im konkreten Fall gegeben: Die Teichwirte haben großes Interesse an der Diversifizierung der kultivierten Arten, die lokale Regierung unterstützt entsprechende Projekte, und es gibt bereits Versuche, Mangroven wieder aufzuforsten.

Durch einen „Stakeholder Workshop“ sollen die relevanten Entscheidungsträger an einen Tisch gebracht werden. Ziel ist, dass die Teichwirte das System, in dem sie arbeiten und von dem sie leben, besser verstehen und nutzen können. Außerdem soll sichergestellt werden, dass durch Quecksilberbelastung keine Gesundheitsgefährdung besteht, was die Aquakulötur auch für den Export wertlos machen würde.

In einer ergänzenden Studie sollen außerdem die Fischteiche auf eventuelle Quecksilberverschmutzungen hin untersucht werden. Die Probennahme wird in Zusammenarbeit mit Nurliah Buhari der Universität Mataram ausgeführt. Zuerst sollen die Standpunkte, an denen Gold in den Dörfern geschürft wird, identifiziert werden. Die Proben werden dann in Teichen genommen, die sich in unterschiedlichen Entfernungen zu diesen Goldschürfpunkten befinden. Die Proben werden anschließen an der Universität Mataram getrocknet, homogenisiert und zur Analyse an die Universität Makassar geschickt

Von dem Vorhaben wird erwartet, dass die Stakeholder auf Lombok motiviert werden, die Mangrovenbäume in und um ihre Fischteiche herum wieder aufzuforsten, das Kanalsystem besser instand zu halten und somit weitere Arten in ihren Teichen kultivieren zu können. Durch die Wiederaufforstungsmaßnahmen der Mangroven wird die natürliche Artenvielfalt in den Teichen wiedererlangt, was sowohl dem Ökosystem als auch der extensiven Aquakultur nützt. Durch gesteigerte Produktivität verbessern sich die Einnahmen aus der Aquakultur, wovon erwartet wird, dass weniger Interesse an illegaler Goldgewinnung besteht. Damit wiederum wird das Risiko des Quecksilbereintrags reduziert.

Die KELLNER & STOLL-STIFTUNG hält das Vorhaben von Paula Senff, ihre Ergebnisse zurück in die Region, aus der sie stammen, zu tragen und einen Dialog mit den Betroffenen zu beginnen, in mehrfacher Hinsicht für vielversprechend und unterstützt den Workshop und die Studie mit 1.160 Euro.