Einfluss von Sonnencreme auf Korallenriffe
Lokale Stressoren von Korallenriffen haben oft ganz alltägliche Ursachen, z. B. die Nutzung von Sonnenschutzmitteln. Chemische UV-Filter gelangen entweder direkt oder über Abwassersysteme in die Küstengewässer und schädigen dort die Ökosysteme.In einigen Ländern sind bereits einige besonders toxische Inhaltsstoffe verboten. Auch fragen Verbraucherinnen und Verbraucher immer häfuiger nach "riffverträglichen" Produkten. Aber sind sie das auch? Dieser Frage will Isabell Schniewind im Rahmen ihres Masterabschlusses nachgehen. Die Stiftung unterstützt sie dabei mit 1.500 Euro.
Antragstellerin
Isabell Schniewind
Masterstudentin in der Biologie/Chemie der Universität Bremen
im Studiengang International Studies in Aquatic Tropical Ecology (ISATEC)
Projektbeschreibung
Das Projekt von Isabell Schniewind zielt darauf ab, die bestehenden Wissenslücken zu schließen, indem die Auswirkungen verschiedener Sonnenschutzformulierungen auf Organismen in Korallenriffen durch standardisierte Labor- und Feldversuche systematisch untersucht werden. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu gewinnen, die die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Entwicklung wirklich korallensicherer Produkte unterstützen. Es soll die Hypothese überprüft werden, inwiefern kommerzielle Sonnenschutzformulierungen sich in ihrer ökologischen Wirkung unterscheiden und ob bestimmte Produkte bereits in praxisnahen Expositionsszenarien messbare Stressreaktionen bei Korallen auslösen. Es wird weiterhin angenommen, dass diese Effekte artspezifisch variieren und sich sowohl in sichtbaren Reaktionen als auch in physiologischen Veränderungen zeigen.
Die Feldversuche finden über drei Monate in der Anlage der Soneva Foundation auf Kunfunadhoo im Baa-Atoll, Malediven, statt.
Aber dabei lässt Isabell Schniewind es nicht bewenden. Neben den Laborversuchen wirkt sie an der Korallenrestauration mit, einschließlich Zucht neuer Polypen, Auspflanzung von Korallenfragmenten und Überwachung während der Laichsaison. Zusätzlich erfolgen Pflege von Seilaufzuchtanlagen, Management von Korallen-Fressfeinden und Überwachung renaturierter Standorte.
Das durch Sonnencreme verursachte Problem ist nicht klein. Es geht um Tonnen, die jährlich in die Meere eingetragen werden. Da bereits sehr geringen Konzentrationen Schäden verursachen, ist es dringend notwendig, die Rezeptur von Sonnenschutzmitteln so zu verändern, dass die Gefahren vermindert, bestenfalls künftig ausgeschlossen werde können.
Da Maßnahmen gegen den Klimawandel, der die Riffe nachweislich enorm gefährdet, lokale Belastungen nicht ausschließen, ist dieses Vorhaben als Ergänzung zu allgemeinen Schutzmaßnahmen wichtig, weil es die lokalen Stressoren von Korallenriffen adressiert. Es kann zudem Herstellern von entsprechenden Produkten wichtige Informationen liefern, wie sie ihr Angebot verbessern und weniger umweltbeeinflussende Rezepturen verwenden können. Verbraucherinnen und Verbrauchern kann eine bewusste Entscheidung für wirklich riffverträgliche Sonnencremes ermöglicht werden.
