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Perspektiven eröffnen .... Nachhaltigkeit als Verpflichtung
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Gefährdung durch Erdrutsche in Zeiten des Klimawandels

Erdrutsche sind ein Phänomen, deren Anzahl und Ausmaß weltweit mit fortschreitendem Klimawandel zunimmt. Zusätzlich zu persönlichen Schicksalen und ökonomischen Folgen sind auch die lokalen Ökosysteme betroffen. Das heißt es gehen Habitate und ökologische Nischen verloren, die die wichtige Basis für Biodiversität sind. Somit tragen Erdrutsche als punktuelle Ereignisse zusätzlich zum Verlust von Biodiversität bei, welcher ohnehin aufgrund des Klimawandels voranschreitet. Die Forschungsarbeit soll dazu beitragen, die Zusammenhänge besser zu verstehen, um in gefährdeten Gebieten rechtzeitig stabilisierende Maßnahmen zu ergreifen. Die Stiftung unterstützt Luca Marie Mahlke dabei mit 1.000 Euro.

Antragstellerin

Luca Marie Mahlke

Masterstudentin an der Universität Bremen

im Fach Angewandte Geowissenschaften

Projektbeschreibung

Das konkrete Ziel der Arbeit ist es, exemplarisch in einem Erdrutschgebiet, in diesem Fall bei Tito in der süditalienischen Region Basilikata,  geophysikalische Messungen zu erheben, um softwarebasiert ein 3D-Modell eines dort aktiven, langsamen Erdrutsches zu entwickeln. Aufgrund ihrer kontinuierlichen Dynamik fungieren langsame Erdrutsche quasi als In-situ-Labore, die eine detaillierte und zeitaufgelöste Analyse der zugrundeliegenden geophysikalischen Prozesse ermöglichen, welche bei plötzlichen, großen Erdrutschen nicht möglich ist. Der Ort wurde gewählt, weil mediterrane Regionen in Folge des Klimawandels besonders erdrutschgefährdet sind, da sich immer längere Dürreperioden mit Starkregenereignissen abwechseln. Die Anwendungsgebiete für die dort gewonnenen Erkenntnisse sind jedoch sehr weiträumig und weiten sich sogar aus, da sich die mediterranen Klimaverhältnisse mit fortschreitendem Klimawandel nach Norden ausbreiten.

Erdrutsche folgen immer einem grundlegenden Prinzip: Ein Hang bleibt stabil, solange der innere Zusammenhalt und die Reibung des Bodens größer sind als die treibenden Kräfte (Hangabtriebskraft durch Schwerkraft). Sobald sich dieses Gleichgewicht verschiebt, verliert ein Hang seine Stabilität und rutscht ab. Mögliche Auslöser sind:

  • Starkregen, welcher das Bodengewicht erhöht und die Reibung des Bodens verringert,
  • Erdbeben, deren Erschütterungen das Gefüge schlagartig destabilisieren,
  • menschliche Eingriffe wie Abholzungen, die dem Hang stabilisierendes Wurzelwerk entziehen.

Luca Marie Mahlke will die generelle Frage beantworten, ob die Kombination geophysikalischer Messverfahren mit dreidimensionaler Untergrundmodellierung an einem aktiven Erdrutsch in Süditalien einen bisher nur vermuteten, tiefer liegenden Gleitkörper nachweisen und so das Erkennen von Erdrutschgefahren grundlegend verbessern kann. Dabei wendet sie ein Verfahren an, das flächendeckende Messungen auch an schwer zugänglichen Orten wie steilen Hängen ermöglicht.

Dabei geht es nicht nur darum, wie man im Ernstfall auf einen bereits geschehenen Erdrutsch reagiert, sondern auch präventive Maßnahmen ergreifen kann, die ein Versagen des Hangs von vornherein verhindern, zum Beispiel durch Bepflanzung, Drainagen oder Stützbauwerke. Quantitative Gefahrenkarten, die mit Hilfe der Methodik erstellt werden können, bilden zudem eine sachliche Grundlage für Raum- und Evakuierungsplanung. Stabile Hänge erhalten Habitate und ökologische Nischen, die durch Hangversagen unwiederbringlich zerstört werden. Darüber hinaus sind intakte Böden wichtige Kohlenstoffsenken. Hangversagen setzt organischen Kohlenstoff frei, sodass Prävention hier einen direkten Beitrag zur Klimawirkung leistet.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden direkt weitergegeben und vor Ort von den Kooperationspartnern weitergenutzt. Da die verwendete Methodik dokumentiert und auf vergleichbare Standorte übertragbar ist, können andere Regionen mit ähnlicher Geologie davon profitieren.

Die Arbeit ist auch aus einem allgemeinen Grund wichtig: Erdrutsche sind ein greifbarer Vergleich mit "tipping points" bzw. "points of no return" des Klimawandels. Ist der Punkt, an dem Massen ins Rutschen geraten, erreicht, gibt es kein Zurück mehr und der ursprüngliche Zustand kann nicht wieder hergestellt werden.